Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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EU Projekt Solidarity

Projekt Übersicht

 

Europäische Biographien – aus der Geschichte lernen

Kurzbeschreibung des Projekts:

Gegenstand des Projekts ist die Vielfalt und Widersprüchlichkeit Europas. Ein Zusammenwachsen Europas braucht das Verständnis der Geschichte und Wahrnehmungen in den einzelnen Ländern. Ein Zugang hierfür ist die Erstellung und intergenerative Diskussion von Lebensgeschichten aus verschiedenen Ländern Europas und von Menschen verschiedenen Alters.

Zur Zeit werden in diesem Projekt in mehreren Ländern Biographien von „Normalbürgern" ebenso wie von namhaften Persönlichkeiten erstellt, um beispielhaft aufzuzeigen, wie Menschen nach der Erfahrung historischer Ereignisse und Krisen nicht in nationale Egoismen zurückfielen, vielmehr sich dem wechselseitigen Verständnis geöffnet haben.
Diese Lebensgeschichten werden ab Herbst 2013 auf der Projektwebsite dokumentiert und im nächsten Jahr auf drei intergenerativen Seminaren in Süd-, Nord- und Osteuropa diskutiert.
Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei die hohen Quoten der Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern Europas und deren Einfluss auf den Lebensweg junger Menschen. Ihre Situation wird verglichen mit den Lebenserfahrungen heute älterer Menschen in den Krisen und Brüchen seit dem Zweiten Weltkrieg.
Das Projekt orientiert sich am Ansatz der „Multiperspektivität". Zum einen wird bereits bei der Auswahl der Biographien darauf geachtet, in und zwischen den Ländern die Breite und Vielfalt des gelebten Lebens und der damit korrespondierenden Erzählungen abzubilden. Zum zweiten wird die Rezeption der vorgestellten Lebensgeschichten zeigen, mit welchen besonderen Fragestellungen und Betroffenheiten die Teilnehmer der Meetings an die mit den Biographien transportierten Themen herangehen.
Das organisatorische Konzept der Meetings in Süd-, Nord- und Osteuropa sieht vor, dass nach der Präsentation der Lebensgeschichten im Plenum ein Meinungsaustausch in Fokusgruppen erfolgt, die nach dem Lebensalter der Teilnehmer geschichtet sind. Erkenntnis leitende strukturierende Fragen ermöglichen eine inhaltliche Prozessdokumentation und den Austausch im intergenerativen Plenum.
Neben den generationsspezifischen Perspektiven hat jedes Teilnehmerland die Aufgabe, ihre Sichtweisen und Erkenntnisse in einem Länderreport zu dokumentieren. Eine der spannenden Fragen wird es sein, ob die Rezeption der Biographien in den Meetings durch Generationen- oder durch Länderunterschiede (oder durch andere Faktoren) geprägt ist, aber auch ob und wie sich Positionen und Perspektiven durch den intergenerativen und transnationalen Erfahrungsaustausch verändert haben.
Dieses Projekt basiert auf langjährigen Vorarbeiten in den Grundtvig-Lernpartnerschaften „Unidad a través la diversidad" (Unidos) und "Integrar adultos y mayores hasta un Europa de conocimiento" (Chance) der Universitäten Kassel, Almeria, Turin und Nyíregyháza. Das Projekt "Europäische Biographien" wurde von der deutschen Gruppe initiiert und wird vom Verein zur Förderung der angewandten Gerontologie (VFG) e.V. Kassel getragen. Über die bereits genannten Organisationen hinaus sind Erwachsenenbildungseinrichtungen aus Nicosia, Athen, Lublin, Prag, Turku, Perth, Paris, Dublin, Tartu, Kocēnu novads und Craiova beteiligt. Weitere Informationen zur Projektorganisation, -vorgeschichte und zu den teilnehmenden Organisationen: www.soziale-gerontologie.de/biografien (in Arbeit).


Was zeichnet das Projekt aus?


• Die Breite und Vielfalt der beteiligten Partner aus 15 europäischen Ländern.
• Die Arbeit mit konkreten historischen Erfahrungen von „Normalbürgern" ebenso wie von namhaften Persönlichkeiten.
• Die explizite Intergenerativität in der Auswahl der Biographien und im gemeinsamen Austausch.
• Die Bereitschaft zum Zuhören und zum solidarischen Austausch der Erfahrungen – ohne Besserwisserei – und das Aushalten und Verstehen widersprüchlicher und oft auch schmerzlicher Erfahrungen.

Bisherige Veröffentlichungen (Auswahl):
Friedrich, Ingrid & Fred Karl (Hrsg.): Europäische Seniorenprojekte im lebenslangen Lernen. Kassel 2007; www.soziale-gerontologie.de
Karl, Fred: Einführung in die Generationen- und Altenarbeit. Wiesbaden 2009; http://www.socialnet.de/rezensionen/1830.php
Karl, Fred (Hrg.): Transnational und Translational. Berlin 2013; http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-11885-1

 

 

Ernest Jouhy

Ernest Jouhy wurde 1913 als Ernst Leopold Jablonski in Berlin geboren und wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Er emigrierte 1933 nach Paris, studierte an der Sorbonne (1939 Diplom in Psychologie). Im französischen Widerstand schloss er sich dem „Mouvement des Ouvriers Immigrés" an. Hier erhielt er den Decknamen Ernest Jouhy, den er nach 1944 beibehielt. 1951 war er zunächst Lehrer an der Odenwaldschule, promovierte 1959 in Paris. 1968/69 wurde Jouhy Professor für Sozialpädagogik im Fachbereich Erziehungswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität und profilierte sich neben Paolo Freire und anderen als einer der Begründer des interkulturellen Lernens. Er definierte im Zusammenhang mit dem globalen Nord-Süd-Gefälle die Begriffe „Ethnozentrismus" und „Eurozentrismus".
Ernest Jouhy starb 1988. Unzweifelhaft gehört er zu den herausragenden europäischen Pädagogen des 20. Jahrhunderts.
http://www.ernest-jouhy.de