Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Presse 2012

Occupy-Seniorenklub

Berliner Rentner besetzen Villa

Berlin - Die Wut über die Verdrängung aus ihrem Kiez hat in Berlin nun auch Rentner gepackt. Sie wollen ihren Seniorenklub retten und handeln als ganz und gar ungewöhnliche Hausbesetzer.

Die Rentner haben die Villa besetzt um ihr Klubhaus zu schützen.

Berlin ist bekannt für Hausbesetzer und Occupy-Aktivisten. Bislang waren diese eher jung. Jetzt haben auch Senioren diese Protestform für sich entdeckt. Seit kurzem halten Rentner einen Seniorenklub besetzt. Die Pankower Villa steht in exquisiter Lage in Nachbarschaft zum Majakowskiring, in dem früher die DDR-Elite wohnte. Der Bezirk will sie verkaufen oder verpachten. "Dass Senioren ein Haus besetzen, ist für uns auch neu", sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Jens-Holger Kirchner (Grüne). Aber auch bei anderen Aktionen sind in jüngster Zeit immer mehr ältere Demonstranten zu sehen gewesen, zum Beispiel bei Stuttgart 21 und in Frankfurt/Main bei Flughafen- und Bankenprotesten.

 

Stadtteilbüro

Das Projekt blüht weiter Stadtteilbüro „Älter werden 50 plus" in Harleshausen zieht nach zehn Jahren Bilanz

von monika puchta HNA, 15.06.2012

HARLESHAUSEN. „Unser Stadtteilbüro ist eine Erfolgs­geschichte!" Und das Projekt wird weiterblühen, davon sind Petra Schliebitz, Gudrun Heuser und Ilse Wienold über­zeugt. Die drei Frauen gehö­ren zu den zehn ehrenamtli­chen Mitarbeiterinnen im Stadtteilbüro „Älter werden 50 plus" in Harleshausen. Jetzt feiert der Treff an der Karlshafener Straße 2 das zehnjährige Bestehen.

Von Gedächtnistraining, Doppelkopf, Bridge und Scrabble über Lesekreis, Aquarell-und Bewegungskursen bis zu Sprachkursen in Italienisch, Englisch und bald auch Spa­nisch reicht die Palette der täglichen Angebote für Senio­ren. Außerdem gibt es die „Di­gitale Fotogruppe", die ebenso wie Harleshäuser Hobby­künstler regelmäßig ihre Wer­ke im Stadtteilbüro ausstellt.

 

Alkoholsucht im Alter

Wenn Oma an der Flasche hängt - Alkoholsucht im Alter

Extra Tip, am 11/05/2012

Längst mich mehr nur ein Jugendproblem. Immer mehr ältere Menschen greifen zum Alkohol. Foto: Archiv

Von ALEXANDER GÖBERT

Schwalm-Eder. Sie sind einsam, verzweifelt und bekämpfen die innere Leere mit dem regelmäßigen Griff zur Flasche: Immer mehr Senioren sind alkoholsüchtig - das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 ist die Zahl um fast 76 Prozent gestiegen. Da aber betrunkene oder verwirrte Rentner nicht ins Schema  passen, wird die Situation der Betroffenen von der Gesellschaft meist verharmlost oder gänzlich verdrängt. Dabei zeichnen die Zahlen ein besorgniserregendes Bild: Die zunehmende Abhängigkeit bei Senioren zieht sich quer durch alle sozialen Schichten, die Zahl der Rentner, die professionelle Hilfe benötigen, steigt konstant an.

 

Massen vereinsamen

Zum TAGE: HNA, 15.05

Massen vereinsamen bastian ludwig über Alkoholsucht im Alter

Es sind die Vergessenen, die zum Alkohol greifen: Die größten Dramen un­serer Gesellschaft spielen sich nicht etwa in den dunklen Gas­sen der Problembezirke ab, sondern hinter den Häkelgardi­nen der Mietswohnungen und Reihenhäuser. Dort vereinsamt massenhaft ein Großteil der Be­völkerung und wird so anfällig für Süchte. Weil ihnen in der Leistungs­gesellschaft ihre Rolle abhan­dengekommen ist, nehmen viele das Altwerden als Bürde wahr. Da sind die Witwer und Witwen, die sich nach dem Tod des Partners zurückgelassen fühlen, und da ist der ehemali­ge Firmenchef, dessen Rat und Wissen im Ruhestand plötzlich nicht mehr gefragt sind. Bei der Suche nach Anschluss und Tagesstruktur verzweifeln vie­le. Alkohol hilft ihnen, Isolati­on und Sinnkrisen zu ertragen. Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Zuwendung. Mit der offenen Debatte über Alkohol­sucht unter Senioren ist ein erster Schritt getan. Denn wenn das Tabu fällt, wird es Be­troffenen leichter fallen, hinter der Gardine hervorzutreten und Hilfe zu suchen. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


 

Schluck für Schluck in die Isolation


Männer doppelt so oft von Alkoholsucht wie Frauen betroffen - Häufig fehlen Aufgaben nach Berufsleben

Alkoholsucht: Schluck für Schluck in die Isolation

HNA, 15.5.2012

Kassel. Als Helmut Frömmel auf HNA-Anfrage seine Patienten-Daten wälzte, war er selbst etwas erschrocken: „Ich war erstaunt, wie viele ältere Menschen es sind, die zu uns kommen", sagt der ärztliche Direktor des Blaukreuz-Zentrums.

Flucht vor der Einsamkeit: Menschen im Rentenalter greifen immer häufiger zum Alkohol. Eine der Ursachen ist, dass sie ihre Isolation nicht mehr ertragen.Der Anteil der Männer ist doppelt so hoch wie der der Frauen. Dass die Tendenz weiter steigend sein wird, daran hat Frömmel keine Zweifel - allein schon wegen des demografischen Wandels. Frömmel glaubt aber auch, dass es gute Chancen gibt, den Betroffenen zu helfen. „Auslöser für die Sucht ist häufig Einsamkeit. Es kann also schon die Lösung sein, wenn die Menschen wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben", sagt Frömmel.

 

Senioren greifen immer häufiger zur Flasche

Hauptursache ist Vereinsamung im Alter  - Hilfsangebote fehlen

HNA, 15.05.2012, Kassel.

Trinken gegen die Einsamkeit: Alkoholsucht wird zunehmend ein Problem unter Senioren. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Patienten über 65 Jahren, die wegen alkoholbedingten psychischen Störungen behandelt wurden, laut Techniker Krankenkasse um 76 Prozent an.

Auch das Kasseler Blaukreuz-Zentrum und das Diakonische Werk Kassel beobachten den Anstieg und weisen auf unzureichende Hilfe für den Personenkreis hin. Neben der Tatsache, dass die Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen insgesamt zunehme, lägen die Ursachen vor allem in der Isolation vieler älterer Menschen, sagt Helmut Frömmel. Der ärztliche Direktor des auf Suchterkrankungen spezialisierten Blaukreuz-Zentrums macht dafür unter anderem den Zerfall der familiären Strukturen verantwortlich. „Mit dem Ruhestand oder dem Tod des Partners geraten viele in eine Krise. Alkohol wirkt da als Antidepressivum und Angstlöser", sagt Frömmel. Nur sei er als Medikament natürlich nicht geeignet, da immer höhere Dosen für den gleichen Effekt nötig seien.

Zwar erhebt das Blaukreuz-Zentrum die Gruppe der über 65-Jährigen nicht gesondert, dennoch sprechen die Patientendaten eine deutliche Sprache: 41 Prozent der 323 im Jahr 2011 ambulant behandelten Personen waren über 50 Jahre.

„Die Gefahr einer Abhängigkeit ist im Alter höher", sagt Suchtberaterin Petra Hammer-Scheuerer vom Diakonischen Werk. Dies liege an einem höheren Fett- und einem niedrigeren Wassergehalt des Körpers. So komme es zu höheren Alkoholkonzentrationen im Blut. Zudem werde der Alkohol langsamer abgebaut, und es bestehe die Gefahr einer Wechselwirkung mit Medikamenten.

Es fehle an einer Vernetzung von Sucht- und Altenhilfe, um dem wachsenden Problem zu begegnen. „Wir haben uns lange Zeit keine Gedanken gemacht." Das ändere sich gerade.

Von Bastian Ludwig

 

Besondere Kurse

Bloß nicht rosten: Besondere Kurse fördern Selbstständigkeit im Alter

Manchmal gibt’s auch Hausaufgaben: Die Kursleiterinnen Charlotte Vortmann und Krimhilde Grebe haben selbst viel Spaß an ihren Kursen. Foto: Can

Kassel. So lange wie möglich selbstständig bleiben: Ein großes Ziel, für das jeder selbst etwas tun kann. Zum Beispiel am GRIPS-Kurs im eigenen Stadtteil teilnehmen. In Wolfsanger gibt es dieses Angebot seit 2008 und immer sind die Kurse gut besucht.

Das von der Evangelischen Kirche und der Stadt Kassel geförderte Projekt (siehe EXTRA INFO) verbessert nachweislich Konzentration, Gedächtnis, Koordination und Gleichgewicht. „Die Kombination ist wichtig“, sagt Charlotte Vortmann. „Aber auch an die Ernährungsumstellung im Alter muss man denken“, ergänzt Krimhilde Grebe. Gemeinsam leiten die beiden Frauen die Kurse von Anfang an. Sie vermitteln Lernstrategien, etwa wie man sich mehr merken kann, und geben Tipps zum Konzentrationstraining. „Hausaufgaben gibt es auch, denn die Übungen müssen regelmäßig gemacht werden“,  berichtet Krimhilde Grebe.

 

Silberne Surfer

Silberne Surfer: Hier lernen Senioren, wie Google und Co. funktionieren

Kristina Bräutigam am 21/01/2012 | Extra Tip

Kassel. Mal ein richtiges Schnäppchen auf Ebay machen: Für Elke Hassenpflug aus Vellmar bisher undenkbar. Zu groß ist die Angst der 68-Jährigen, in den Weiten des Internets einen Fehler zu machen. „Ein falscher Klick und schon ist es passiert. Ich bin einfach unsicher", sagt die Rentnerin.
Wie Elke Hassenpflug geht es auch den anderen 19 Senioren, die am Kurs „Silver Surfer" im Medienprojektzentrum Offener Kanal in Kassel teilnehmen. Ob Fragen zu Recherche, Einkauf, Email oder Datenschutz: In dem dreitägigen Kurs lernen die Senioren alles, was sie zum sicheren Umgang mit dem Inernet wissen müssen. „Viele ältere Menschen haben große Berührungsängste.  Die wollen wir abbauen", sagt Seminarleiter Christian Wedel vom Medienkompetenz-Netzwerk Mainz-Rheinhessen. Dabei gehe es nicht nur darum, Risiken aufzuzeigen. „Dass Internet bringt auch ganz viel Spaß und Nützliches. Man muss nur wissen wie", sagt Christian Wedel.
 

15 neu GRIPS-Trainer qualifiziert

15 neu GRIPS-Trainer qualifiziert


Über fünfzig Trainerinnen und Trainer wurden in der fünfjährigen Laufzeit des von Stadt Kassel und Evangelischer Kirche Kassel gemeinsam getragenen Projektes GRIPS - kompetent im Alter - von der SimA-Akademie Nürnberg qualifiziert. Stadtweit organisieren sie inzwischen an 30 verschiedenen Standorten regelmäßige Gruppentreffen, bei denen ältere Menschen Gedächtnis und Beweglichkeit schulen und sich über relevante Alltagsthemen informieren und austauschen.
Anlässlich des gemeinsam mit der mhk - Museumslandschaft Hessen Kassel - gestalteten GRIPS-Neujahrsempfangs in der Neuen Galerie würdigten Oberbürgermeister Hilgen und Dekanin Heinrich das Engagement der überwiegend völlig unentgeltlich tätigen Trainerinnen und Trainer und freuten sich, gleichzeitig 13 neu qualifizierten GRIPS-Aktiven ihre Zertifikate überreichen zu können. „Die Bevölkerung schrumpft, GRIPS aber wächst", scherzte der Oberbürgermeister.
Die neuen Trainer sind bereits dabei, neue Gruppen etwa in Harleshausen, in Oberzwehren und im Stadtteil Mitte aufzubauen. Neben diesem beachtlichen ehrenamtlichen Engagement lebt das Projekt davon, dass unterschiedlichste Institutionen, wie Kirchengemeinden, Wohnungsbaugesellschaften, Pflegedienste, Bürgerhäuser und Stadtteiltreffs ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und bei der Werbung helfen. So finden eine steigende Zahl Senioren fast fußläufig ein Angebot, das sie fit und kompetent - und mit viel Spaß - älter werden lässt. Das Alter ist schließlich nicht nur Plage, wie Dekanin Heinrich feststellte, es bietet auch viele Möglichkeiten, Erfahrung weiter zu geben und Neues zu entdecken - GRIPS ist eine davon.

Informationen über das Projekt:
Stadt Kassel, Referat für Altenhilfe, Nina Hesemeier, Tel 787 5024 (vormittags) oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.