Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Altersbilder

Generation 60plus

Generation 60plus - Die geschenkten Jahre

so titelt die die Frankfurter Allgemeine in  "FAZ.net" am 24. April  2011. Ich hätte diesen Artikel gern hier ein- und zur Diskussion gestellt. Leider lassen dies die Verwertungs-Bedingungen der FAZ nicht zu.

Schade, der Artikel hätte eine breite Aufmerksamkeit und Diskussion verdient. Deshalb an dieser Stelle der Hinweis: Der Artikel wird noch etwas 3 bis 4 Wochen unter der unten angegebenen URL erreichbar sein. Man darf ihn auch für private Zwecke herunterladen und ausdrucken.

Zum Inhalt. Es handelt sich um einen - in der Tendenz positiven - Artikel dessen Zusammenfassung dem Leser schon im zweiten Absatz des ersten Abschnittes begegnet: "Noch nie war alt sein so schön wie heute. "Belegt wird diese steile These mit dem Anstieg der statistischen Lebenserwartung von 1900 bis heute um rund 35 Jahre, die als die "geschenkten Jahre" bezeichnet werden.

Der zweite Abschnitt behandelt die Frage nach der biologischen Lebensgrenze und im dritten Abschnitt geht es um die bessere medizinische Versorgung. Im vierten Abschnitt werden die "Geballt negativen Schlagzeilen" aufgrund der herausgearbeiteten Pluspunkte problematisiert. Den negativen Schlagzeilen wird im fünften Abschnitt folgender Satz entgegen gestellt:

"Tatsächlich verändert sich nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die gesamte Soziologie der Alten, jener rüstigen Rentner, die, körperlich und geistig aktiv, aus Herzenslust golfen, Seniorenstudien absolvieren, alle möglichen Ehrenämter bekleiden und nebenbei jene restlichen Teile der Welt bereisen, die sich noch nicht kennen."

Ich halte diesen Satz nicht nur für eine unzulässige Verallgemeinerung sondern in seiner Aussage auch für groben Unfug, weil diese Beschreibung nach meiner Überzeugung mit der Masse der Rentner von heute nur wenig und mit den zukünftigen Rentnern kaum noch etwas zu tun hat.

Leider nehmen die Verallgemeinerungen im weiteren Verlauf des Artikels nicht ab. So wird im sechsten Abschnitt ein Familienbild projeziert, das mit der Wirkleichkeit in Deutschland auch nicht übereinstimmt. Es lässt die zunehmende Zahl von kinderlosen Paaren und Singles völlig außer acht und gipfelt in dem Satz:"Die Generation 60 plus ist schließlich so wohlhabend wie keine von ihr..."

Eine solche Aussage halte ich nicht nur für ärgerlich sondern auch für hochproblematisch. Sie knüpft m. E. nahtlos an die Statistkgläubigkeit an, die auch schon zu Beginn des Artikels immer wieder durchscheint. Der zitierte Satz ist richtig - aber nicht einmal so richtig und aussagekräftig wie der Satz "Der deutschen Bevölkerung geht es heute so gut wie nie zuvor." Warum? Weil beide Sätze die Frage nach der Verteilung völlig ausblendet. Bei einer Durschnittsrente von um die 1.000 € muss doch mal geschaut werden, wie klein die Zahl der Bezieher von hohen Renten und wie hoch die Zahl der Bezieher von kleinen Renten ist. Selbst der Wirtschaft nahestehende Institute sehen heute schon viele Rentner in der Nähe und unterhalb der Armutsgrenze und warnen vor einer "neuen" Altersarmut.

Im sechsten Abschnitt wird dann endlich die Perspektive des/der Autoren deutlich: "Vor allem Manager, denen plötzlich Sekretariat, Fahrer und Stabsuntergebene fehlen, haben Mühe, mit der neuen Situation zurechtzukommen". Hierzu fällt mir nun schlichtweg nichts mehr ein.

In den Abschnitten sieben und acht wird dann eine Lanze für eine längere Lebensarbeitszeit gebrochen und dargestellt, dass nur so ein längeres Leben zu finanzieren sei. Wobei hier nun wohl nicht mehr die "Manager" gemeint sein können. Deren Einkommen ermöglicht den Eintritt in den Ruhestand überwiegend unabhängig von dem Bezug der staatlichen Altersversorgung.

Wie gesagt, ein lesenswerter und allemal diskussionswürdiger Artikel.

 

link zum FAZ-Artikel:

http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E2392D3A1621048B7BADD4D2168C5B8D5~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

 

Gesellschaftlich transportierte Altersbilder

Gesellschaftlich transportierte Altersbilder und individuelle Wirklichkeit

Schaut man sich das in den Medien vermittelte Altersbild an, so gibt es offensichtlich überwiegend gut gekleidete, gepflegte, jung und dynamisch aussehende Menschen, oft auch in Verbindung mit Enkelkindern oder umgeben von einer großen glücklichen Familie. Selbst eine renommierte Zeitschrift wie „Psychologie Heute“[1] stellt in ihrem Sonderheft „Älterwerden“ die Vorteile und Chancen in den Vordergrund ihrer Betrachtungen. Von 15 Beiträgen beschäftigen sich gerade mal 5 mit etwaigen Problemen im Alter.