Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Gesellschaftlich transportierte Altersbilder

Gesellschaftlich transportierte Altersbilder und individuelle Wirklichkeit

Schaut man sich das in den Medien vermittelte Altersbild an, so gibt es offensichtlich überwiegend gut gekleidete, gepflegte, jung und dynamisch aussehende Menschen, oft auch in Verbindung mit Enkelkindern oder umgeben von einer großen glücklichen Familie. Selbst eine renommierte Zeitschrift wie „Psychologie Heute“[1] stellt in ihrem Sonderheft „Älterwerden“ die Vorteile und Chancen in den Vordergrund ihrer Betrachtungen. Von 15 Beiträgen beschäftigen sich gerade mal 5 mit etwaigen Problemen im Alter.

Wie sieht nun die individuelle Wirklichkeit aus? Nordhessen ist zunehmend geprägt von älteren Menschen, deren Kinder und Enkel (wenn es denn welche gibt) zum größten Teil nicht in Nordhessen wohnen. Die wirtschaftliche Lage lässt eine positive Identifikation mit den medial vermittelten Altersbildern kaum zu. Es gingen und gehen Bevölkerungsgruppen in die Rentenphase, die lange Jahre auf diese Zeit mit Aussagen wie: „Und es gilt der Satz – zum Mitschreiben: Die Rente ist sicher“ (Norbert Blüm, Bundesminister), oder „Die Rente bleibt Alterslohn für Lebensarbeit“ (N. Blüm, BM), oder „Die Rente ist das Ergebnis der Lebensleistung eines Menschen“ (Helmut Kohl, Bundeskanzler) vorbereitet wurden. Sie messen vielfach ihre Situation an den verinnerlichten Aussagen der Politiker und den vermittelten Altersbildern der Gegenwart und erleben ihre „schlechte“ Situation häufig als individuelles Versagen. Das Gefühl des individuellen Versagens kann sich auf unterschiedliche Weise äußern, bei älteren Menschen meist als Rückzug aus gesellschaftlichen Zusammenhängen.



[1] Psychologie Heute compact, Belz-Verlag, Heft 20 / 2008