Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Autofahren im Alter

 Ältere Menschen im Straßenverkehr waren immer schon ein Thema in den Medien. Nicht als "Dauerbrenner" - aber immer wieder, wenn ältere Menschen an schweren Unfällen beteiligt waren. In einer 80-Millonen-Gesellschaft, von denen heute schon ein viertel der Menschen (also 20 Millionen, Tendenz steigend) im Rentenalter sind, gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. 

Die Bandbreite der Kommentare in der Berichterstattung ist ebenso breit gefächert wie die Aktionen und Reaktionen der mit mit dem Thema Sicherheit im Straßenverkehr befassten staatlichen Institutionen und einschlägigen Vereine und Verbände.

Sie reichen von Forderungen nach regelmäßiger Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab dem Erreichen eines bestimmte Alters bis hin zur völligen Verharmlosung der Problematik. Eines der häufigsten Argumente der "Verharmloser" ist die Kompensation der nachlassenden Fähigkeiten und Fertigkeiten durch jahrelange Routine.

Die Aktualität der Problematik möchte ich an vier Ereignissen aus den letzten zwei Wochen verdeutlichen:

Beispiel 1: Eine ältere Dame fährt beim Verlassen des Grundstückes nicht über die abgeflachte Ausfahrt sondern mit dem Hinterrad über den normal hohen Bordstein. Dabei setzt das Fahrzeug mit der Heckschürze laut und vernehmlich auf. Auf den Vorfall angesprochen sagt die Fahrerin, das sie von dem Vorfall nichts bemerkt hätte.

Beispiel 2: Ein älterer Herr fährt mit einem völlig platten Reifen auf dem Hinterrad seines Wagens. Der Wagen wird nach ca. einem Kilometer Fahrt von einem Verkehrteilnehmer überholt und gestoppt. Indessen hat sich der Reifen völlig aufgelöst und von der Felge gelöst. Der Fahrer des Wagens steigt ungläubig aus und besieht sich den Schaden. Auch er hatte - nach eigener Aussage - von dem Vorfall nichts bemerkt.

Beispiel 3: Ein älterer Herr rammte beim Ausparken auf dem obersten Deck eines Parkhauses zunächst ein Fahrzeug (ohne es zu merken!) und schob danach ein auf der gegenüberliegenden Seite geparktes Fahrzeug vom Parkdeck (TV-Bericht).

Beispiel 4: Ein älterer Herr setzt rückwärts aus einer Parklücke und fährt eine junge Frau und zwei Kinder um, dann fährt er ein Stück vor und dann wieder rückwärts über die gestürzten Personen (TV-Bericht).

In allen vier Fällen hat die erworbene Routine die nachlassenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Fahrer nicht kompensieren können. 

Eine regelmäßige Überprüfung würde vielleicht so manchen Unfall, egal ob mit Bagatell- oder Personenschaden verhindern können. Eine solche Überprüfung an das Erreichen eines bestimmten Alters zu koppeln widerspricht einerseits dem Antidiskriminierungsgesetz der EU und der BRD und misssachtet andererseits die unterschiedlichen Verläufe des Alterns von Individuen. Außerdem gibt es genügend Beispiele für den Verlust der Fahrtauglichkeit von Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Ich plädiere daher für die regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit aller Führerscheininhaber, unabhängig von Alter und Geschlecht. Und zwar verpflichtend.

Appelle an die "gesunde Selbsteinschätzung" des Einzelnen, wie sie oft Automobilclubs aussprechen halte ich nicht für ausreichend. Da die Verluste von Fähigkeiten und Fertigkeiten schleichend vor sich gehen, sind die Betroffenen am wenigsten in der Lage ihre eigene Fahrtauglichkeit beurteilen zu können.

Solange es keine gesetzliche Vepflichtung zur Überprüfung gibt, empfiehlt die Deutsche Verkehrswacht einen regelmäßigen Sicherheits-Ceckup.

 

Dazu gehören

- Untersuchungen beim Haus-, Augen- und Ohrenarzt mit besonderem Augenmerk auf die Fahrtauglichkeit,

- ein Reaktionstest bei der örtlichen Geschäftsstelle der Verkehrswacht an einem Fahrsimulator,

- regelmäßiges Absolvieren eines Fahr- und Sicherheitstrainings und

- ggf. eine Einzelfahrstunde bei einem darauf spezialisierten Fahrlehrer (bei der örtlichen Geschäftsstelle der Verkehrswacht zu erfragen)

 

Auf Kommentare und Diskussionsbeiträge (gerne auch unter einem Nickname, aber bitte mit Altersangabe) freue ich mich sehr!

 


 

 

Kommentare 

 
+1 #2 RE: Autofahren im AlterSabine Adebahr 2014-08-03 08:43
Ich gebe Hannelore da absolut Recht mit ihren Anmerkungen zu diesem Artikel.
Es gibt genug Menschen, die dem heutigen Straßenverkehr nicht mehr zu 100% gewachsen sind. Alles ist so schnell und hektisch geworden in dieser Welt, was zur Unkonzentrierth eit in allen Altersstufen führt, weil das Gehirn und der Körper im Überforderungsm odus laufen, was unweigerlich zu Fehlern führt. Autofahren, gerade auf den Autobahnen, ist Stress pur, der auch an jüngeren Menschen nicht vorbei geht. Doch auch im normalen Stadtverkehr passieren mehr Unfälle als früher, weil im Auto eben nicht nur gefahren wird, sondern da läuft das Radio, das Handy wird parallel gecheckt, SMS an der Ampel geschrieben, telefoniert, mit und ohne Headset, das Navi erinnert an das Abbiegen in 150 m, Frau muss sich noch eben schminken und das Kind auf dem Rücksitz bekommt noch eben, während der Fahr etwas zu trinken o.ä. gereicht usw. usw. Das ist für jeden Organismus absolute Schwerstarbeit und beinhaltet ein großes Fahrfehlerpoten tial in allen Altersschichten .
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+1 #1 Hannelore AbbenhausHannelore Abbenhaus 2014-07-23 23:13
Autofahren im Alter „das geht uns Alle an“ , aber wie du schon erwähnst lieber Mario, betrifft es eben nicht nur die älteren Autofahrer/Autofahrerinnen sondern alle die einen Führerschein haben.
Anhand der aufgeführten Beispiele könnte leicht der Eindruck entstehen, dass bei den älteren Autofahrern besonders viele Unfälle passieren und ein Gesundheitschec k hier dringend notwendig vom Gesetzgeber beschlossen werden muss.
Das aber, wenn man diesen Bericht sorgfältig liest, macht keinen Sinn und geht schon nach dem Antidiskriminie rungsgesetz der EU (gültig seit August 2006) nicht.
Es ist auch meiner Meinung nach nur Sinnvoll, wenn alle Führerscheininh aber einen Gesundheits- und Fahrtauglichkei tscheck machen müssen. Es gibt viele Autofahrer die z.B. Nachtblind sind und sich trotzdem bei Dunkelheit ans Steuer setzen, das ist nicht nur Leichtsinn für das eigene Leben, sondern auch für das Leben anderer.
Dass dieser Appell von vielen mit einer gewissen Ironie gelesen wird kann ich mir schon denken, denn jeder Autofahrer meint, dass er alles im Griff hat und nur die vielen anderen auf der Straße sollten sich mal untersuchen lassen.
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