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Sich schlagkräftig wehren

Sich schlagkräftig wehren

HNA, Samstag, 17. Januar 2009


Selbstverteidigung für Senioren - Budo-Abteilung des OSC Vellmar startete
Kurs


Von Martina Sommerlade


VELLMAR. "Plötzlich war die Nase ab. Einfach abgebissen", sagt Lieselotte Kewitz
kopfschüttelnd und fasst sich unwillkürlich an ihre eigene Nase. Die 60-Jährige sitzt im
Turnraum des Bürgerhauses Obervellmar und treibt mit ihrem Bericht über eine
Zeitungszustellerin aus Schleswig-Holstein, der auf offener Straße von einem Unbekannten
die Nase abgebissen wurde, ihrer Zuhörerschaft den Schrecken ins Gesicht.
Schockieren möchte die Frau aus Espenau die weiteren Mitglieder des
Selbstverteidigungskurses für Senioren jedoch ganz und gar nicht. Vielmehr schildert die
Espenauer Zeitungsausträgerin ihre Beweggründe, an dem vom OSC Vellmar ausgerichteten
Kurs teilzunehmen. "So etwas soll mir nicht passieren. Ich möchte mich im Notfall
verteidigen können."

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Thomas Reisigs Motivation zur Teilnahme ist ähnlich gelagert. "Ich wurde von meinem
Nachbarn im Garten angegriffen und geschlagen", erzählt der 56-Jährige aus Vellmar. "Solch
ein Verhalten war mir fremd, und ich war nicht in der Lage, mich zu verteidigen." Um Angst
und Hilflosigkeit im Falle eines Überfalls abzubauen, haben sich auch Helga Teske, Doris
Schellmann, Gabriele Funke, Karl Adolf Koch und Antje Potzner im neuen Kurs der OSCBudo-
Abteilung angemeldet. "Wir wüssten in solch einem kritischen Moment sicher vor
lauter Schreck nicht, was zu tun ist."
Ein Phänomen, das Kursleiter Erich Figge und Volker Reimer nur allzu bekannt ist. "Ältere
Menschen sind für Ganoven eine beliebte Zielgruppe", weiß Figge. "Als Opfer werden
diejenigen ausgewählt, die einen unsicheren Eindruck machen. Niemand sollte daher
unsicheres Verhalten demonstrieren oder eine Opferhaltung einnehmen."
So viel zur Theorie. Damit das Gesagte auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden kann,
zeigt das Trainerduo einfache, aber effektive Techniken, um die Senioren fit zu machen,
Übergriffe von Fremden abzuwehren.
Dazu gehören Tipps, wie man sich im Handumdrehen aus einer misslichen Lage befreit, sich
gegen Angriffe von hinten wehrt oder allein durch die Körperhaltung klare Grenzen setzt.
"Manchmal muss man sich aber auch körperlich zur Wehr setzen", so Figge. Das stelle für die
Teilnehmer in der Regel die größte Herausforderung dar. "Die meisten Teilnehmer haben
Hemmungen zuzuschlagen."
Im Zweikampf mit Erich Figge sollen diese Skrupel überwunden und Schläge an den Hals
absolviert werden. "Das ist gar nicht so leicht", sagt Doris Schellmann. "Aber die Übung
macht's." Das bestätigt der erfahrene Kampflehrer. "Dank der verschiedenen Übungen sind
die Teilnehmer bald in der Lage, sich zu wehren und kritische Situationen im wahrsten Sinn
des Wortes schlagartig zu bereinigen."