Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Männlich altern

Männlich altern

Eckart Hammer: Männer altern anders. Eine Gebrauchsanweisung. Herder Verlag. Freiburg 2007. 14,90 Euro

„Älterwerden ist gar nicht so schlecht, wenn man die Alternative bedenkt“, lautet das augenzwinkernde Bonmot des Sängers und Schauspielers Maurice Chévalier. Und weil Eckart Hammer nicht nur Professor für Gerontologie, sondern seit Jahrzehnten auch mit der Männerfrage befasst ist, außerdem selbst bereits die 50 überschritten und sich gewiss für die Erste die beiden Alternativen entschieden hat, legt er nun ein so schönes wie augenzwinkerndes Buch über das Älterwerden von Männern vor.

Da gemeinhin niemand alt sein will, es aber alle werden wollen, stellt sich auch für Männer die Frage, wie sie ihr Leben jenseits der 50, 60, 70 oder 80 Jahre angehen könnten, auf dass es ein gutes Leben bleibt oder vielleicht sogar erst werde. Man merkt dem Buch „Männer altern anders“ an, das Eckart Hammer geübt ist in der verständlichen Vermittlung wissenschaftlicher Zusammenhänge. Er kennt die Altersforschung und wartet immer wieder mit erstaunlichen Fakten auf, ohne seine Leser mit einem Übermaß an Daten und Zahlen zu erdrücken.

Natürlich leisten vor allem Frauen häusliche Pflegearbeiten, und natürlich leben sie länger als ihre Männer, doch beträgt der Männeranteil an der häuslichen Pflege beachtliche 40 Prozent, und immerhin 15 Prozent aller Männer jenseits der 65 werden Witwer. Vergleichsweise wenig, sicher, aber deswegen braucht man sie nicht gleich vergessen.

Überhaupt möchte Eckart Hammer mit seinem Buch dazu beitragen, dass der alternde Mann kein unbekanntes Wesen mehr in der Gerontologie ist. Nicht nur die (feministische) Altersforschung hat sich in der Vergangenheit meist nur vermittelt für die „Minderheit“ der alten Männer interessiert. Auch die Männerforschung hat sich (gemäß des eher jüngeren Alters ihrer Protagonisten) des Themas bislang kaum angenommen.

Und so macht sich der Autor daran, den älter werdenden Mann in zahlreichen Facetten seiner Lebenswirklichkeit auszuleuchten. Das Buch analysiert den männlichen Alltag aus den Blickwinkeln Arbeit, Soziales Netz, Körper, Materielle Sicherheit und Sinn. Welche Sorgen und Nöte treiben die Männer um? Welche sozialen Beschränkungen prägen das männliche Älterwerden? Welche Potenziale gelte es (endlich) zu heben?

Nicht von ungefähr drängt Eckart Hammer wiederholt darauf, mehr männergerechte Angebote in der Altenhilfe und -pflege zu schaffen. Und als ehemaliger Leiter eines Heims weiß er zudem, wovon er redet, wenn er die „alten Heimkasernen“ am liebsten zugunsten von „neuen, phantasievollen Mischkonstruktionen aus professioneller, bürgerschaftlicher und Selbsthilfe“ abschaffen würde.

Im Kern aber ist „Männer altern anders“ ein Buch für den gemeinen Mann, der die 50 gerade überschritten hat und spätestens jetzt damit anfangen sollte, sich über seine nähere Zukunft Gedanken zu machen. Dazu gibt der Autor viele angenehm zugewandte Tipps, die am Ende sämtlich darauf hinauslaufen, alles etwa langsamer angehen zu lassen, mehr zu genießen, sich mehr Zärtlichkeit zu gönnen, überhaupt den vergessenen und verdrängten Bedürfnissen mehr Raum zu geben: Nicht mehr den Helden spielen zu müssen.

„Männer altern anders“ ist ein so nachdenkliches wie warmherziges Buch von einem in die Jahre gekommenen Mann für seine Geschlechts- und Altersgenossen. Man könnte mit ihm mal wandern gehen, schauen, verschnaufen und die Anderen weiter rennen und raufen lassen.

Das alles liest sich übrigens sehr augenfreundlich. Nicht direkt Großdruck, aber luftiger und größer gesetzt als üblich. Genau richtig also für Menschen ab 50.

Rainer Neutzling (Autor des Longsellers: Kleine Helden in Not. Rowohlt Verlag)

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