Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Goldenes Rentenalter

Goldenes Rentenalter oder drohende Altersarmut?

In den letzten beiden Jahrzehnten wurde der Begriff des goldenen Rentenalters zum Etikett, womit pauschal alle Bezieherinnen und Bezieher von Altersruhegeld zu „wohlhabenden Alten“ gemacht wurden. Abgesehen davon, dass diese Verallgemeinerung schon damals nicht richtig war, und lediglich zur Vorbereitung der Rentenanpassung diente, ist die Zahl der Bezieher relativ guter Renten stark rückläufig. Die Ursachen liegen unter anderem in nachträglich aberkannten bisher rentenwirksamen Ersatz- und Ausfallzeiten und den zunehmend fragmentierten Erwerbsbiografien der Menschen, die heute das Berufsleben verlassen (lt. LVM-Versicherungen brachten es Männer des Rentenjahrgangs 2004 auf durchschnittlich 37 Rentenbeitragsjahre)[1]. Laut Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV-Bund) waren im Jahr 2007 55,1 % der Rentenneuzugänge von Abschlägen betroffen. Auch die Zwangsfrühverrentung älterer Arbeitsloser unter Einbußen von bis zu 18 % der Rentenleistung trägt dazu bei, dass immer mehr ältere Menschen die nachberufliche Zeit in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen verbringen werden.

Das wird deutlich, wenn man die durchschnittliche rechnerische Regelrente (aus 45 Jahren Erwerbstätigkeit mit dem jeweiligen statistischen Durchschnittseinkommen, ergeben sich 45 Rentenpunkte, multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert von 26,27 € pro Rentenpunkt) von derzeit 1.182,15 €, mit der vom statistischen Bundesamt für 2007 ermittelten tatsächlichen Durchschnittsrente von 963 € bei Männern und 691 € bei Frauen vergleicht. „Während bei Einzelrentnern der Rentenzahlbetrag bei 742 € pro Person lag, erhielten Mehrfachrentner durchschnittlich 1.067 Euro.“ [2] Eine Mehrfachrente erhielten von 20,12 Millionen Rentnern im Jahr 2007 gerade mal 19, 6 %.

Stellt man den dargestellten Renten, die in den letzten Jahren faktisch um rund 30% gestiegenen Energiekosten, und die ebenfalls stark gestiegenen Lebensmittelkosten gegenüber, so entpuppt sich der immer noch gern verwendete Begriff des „goldenen Rentenalters“ als blanker Zynismus. Mit dem goldenen Rentenalter verhält es sich wie mit Einkommen und Vermögen auch: Es gibt eine Anzahl von Rentnern, auf die der Begriff zutrifft - aber größer dürfte die Zahl derer sein, die der Armut weitaus näher sind als dem Gold.

Die folgende Grafik, basierend auf Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2009, stellt die Entwicklungen von Inflationsraten und Rentenhöhungen gegenüber.

 

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Während der letzten 10 Jahre wären demnach die Renten vier Mal real gewachsen, 1999 um 0,74 %, 2001 um 0,01 %, 2002 um 0,66 % und 2004 um 0,04 %. In den restlichen sechs Jahren blieben die Rentenerhöhungen mit 0,8 % bis 1,76 % unter den Inflationsraten, was einen realen Einkommensverlust von 7,41 % in der Summe bedeutet.



[1] http://www.lvm.de/vorsorge/versorgungsanalyse/gav/rentenentwicklung/index.jsp

 

[2] Bundeszentrale für politisch Bildung, „Die soziale Situation  in Deutschland, Zahlen und Fakten“, Bonn 2008