Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Start Themen Rente Jede zweite Rente niedriger als Hartz IV / 2

Jede zweite Rente niedriger als Hartz IV / 2

Die Tabellen, die der Berichterstattung zugrunde lagen liegen mir mittlerweile vor, sie können über die Links am Ende des Artikels1 aufgerufen werden.

Die Fakten:

Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Auszahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung, zusätzliche Leistungen privater oder betrieblicher Altersvorsorge sind in den Tabellen nicht berücksichtigt. Das die durchschnittliche Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei knapp 1.000 € liegt dürfte allgemein bekannt sein, die Zahl wurde oft genug bemüht. Die Aussagekraft einer solchen Zahl ist eher abstrakt und gering. Schaut man sich hingegen die Verteilung der Renten an, wird rasch deutlich, was mit der "neuen Altersarmut" gemeint ist.

48,2 Prozent der Rentenbezieher erhalten tatsächlich ein Rente von unter 700 Euro (29,1 Prozent sogar unter 500 Euro.), etwas weniger, nämlich 42,3 Prozent erhalten eine Rente zwischen 700 und 1.400 € und 9,5 % der Rentenempfänger erhalten mehr als 1.400 €. 

Zu den Renten können betriebliche und private Renten, sowie Einkünfte aus Kaptalerträgen, Vermietung und Verpachtung etc. hinzu kommen. Einige "Minirenten" resultieren sicherlich auch aus Rentenversicherungsanprüchen, die als Angestellte erworben wurden, bevor der Schritt in die Selbständigkeit erfolgte.

Die Zahl der Bezieher von Mehrfachrenten wurde von der Bundeszentrale für Politische Bildung2 für das Jahr 2008 mit 19,6 Prozent beziffert, Informationen über die Zahl von selbständigen Rentenbeziehern liegen mir nicht vor.

Die Tabelle mit den Neuzugängen von Renten im Jahr 2012 bietet weiteren Anlass zur Sorge. Hier liegt der Anteil der Renten von unter 700 € bei bedenklichen 54,8 Prozent.

Die Arbeitnehmer, die in den nächsten Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden alle nicht mehr die gesetzliche Altersrente in der Höhe erhalten, die sie sich errechnet hatten:

- Rückwirkend wurden "Ausfallzeiten" aberkannt bzw. niedriger bewertet als bisher

- die jahrelangen Eigenbeiträge, die schon mit dem Einkommen einmal versteuert wurden, werden nun mit der Rente noch einmal versteuert

- Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden von der Rente abgezogen

Auch die private Altersversorgung - so überhaupt vorhanden - wird es in der errechneten Höhe nicht mehr geben. Als Beispiel seien hier die Lebensversicherungen genannt. Als diese in der Regel mit einer langen Laufzeit mit Auszahlung zum Renteneintrittslater abgeschlossen wurden, galten sie als "vernünftige und sichere Kapitalanlage mit bescheidener Rendite". Durch die Finanzpolitik der europäischen Staaten und Banken sind die Zinsen für Staatsanleihen seit Jahren auf einem historischen Tief angekommen. Davon sind alle konservativen Geldanlagen wie Sparbuch und auch Lebensversicherungen gleichermassen betroffen, die Inflationsrate frisst in der Regel die Rendite auf. Die viel zitierte "Versorgungslücke" ist m. E. überwiegend vom Staat hausgemacht, durch direkte Reduzierung der Renten und indirekt durch ihre Finanzpolitik. 

Und noch etwas müssen sich Politiker aller Parteien und Regierungen in ihr Stammbuch schreiben lassen: die Familienpoliitik, ihre Erneuerung und Verbesserung stand auf den Tagesordnungen aller Wahlprogramme und Regerungserklärungen, faktisch hingegen ist es in Deutschland nie gelungen den geringen Geburtenraten eine angemessene und wirksame Familienpolitik entgegenzusetzen.

Die drohende Altersarmut ist auch die Folge einer permanent verfehlten Familienpolitik, nicht einer Überalterung unserer Gesellschaft sondern der Entjüngung.

Downloads:

 

 

Rentenschichtung im RTBN 2012.pdf

Rentenschichtung im RTZN 2012.pdf