Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Lebendig und selbstbewusst

Motorik, Gedächtnistraining, Medienkompetenz – Kurse für Senioren in Kasseler Kirchengemeinden

Selbständigkeit erhalten ist das Ziel der Grips-Kurse: Karin Simon bereitet einen Kurs in der Kasseler Lukasgemeinde vor (links).

Rechts: Die Schulung der Aufmerksamkeit ist ein wesentliches Element des Gedächtsnistrainings.

Gedächtnistraining und Computerkurse gehören mittlerweile in vielen evangelischen Kirchengemeinden Kassels zum festen Angebot für ältere Menschen. Sie sollen dazu beitragen, die Selbständigkeit im Alter zu erhalten, sich mit modernen Kommunikations- und Informationstechniken vertraut zu machen und bieten gute Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen. „Diese Angebote werden von den Menschen deutlich wahrgenommen", sagt Winfried Röder, Pfarrer der Lukasgemeinde in Niederzwehren, eine der ersten Gemeinden, die 2009 am Gedächtnistraining- Projekt Grips teilgenommen hat. Seit dem werden hier regelmäßig Kurse angeboten. Sie umfassen in der Regel 20 Einheiten. „Alles läuft darauf hinaus, die Aufmerksamkeit zu schulen", erklärt Karin Simon. Sie ist eine von drei Grips-Trainerinnen in der Lukasgemeinde, die die Kurse leiten. „Die Teilnehmer sind geistig aktiver und somit auch selbständiger im alltäglichen Leben", unterstreicht sie. Die Erfolge zeigen sich oft schon im Kleinen, wie dem Schreiben des Einkaufszettels. „Wenn man etwa Produkte kategorisiert, ist die Gefahr, etwas zu vergessen viel geringer", berichtet die Trainerin. Entsprechende Übungen werden in den Kursen durchgespielt. Ergänzend gibt es Schulungen zu Themen wie Ernährung im Alter, Sicherheit oder Hilfsmittel für den Alltag. Auch motorische Übungen, die Balance und Koordination schulen, sind Bestandteil des Programms. Einige der Teilnehmer - es sind überwiegend Frauen über 60 Jahre - treffen sich auch außerhalb der Kurse. „Es haben sich schon einige Freundschaften entwickelt", sagt Karin Simon. Das Programm findet in Kooperation mit dem EKKW-Seniorenreferat und der Stadt Kassel statt. Auch die Computerkurse erfahren eine große Resonanz. „Pro Trimester durchlaufen etwa 60 bis 70 Teilnehmer die Kurse", sagt Pfarrer Röder. 300 bis 400 ältere Menschen - hier ist das Verhältnis von Männern und Frauen in etwa gleich - haben die Anfänger- und Aufbaukurse in der Lukasgemeinde bereits mitgemacht. Die Computerkurse finden in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit statt und werden von der Arbeiterwohlfahrt unterstützt. Auch die Versöhnungskirche sowie die Kirchengemeinden Harleshausen und Wolfsanger bieten diese Kurse an. In der Versöhnungskirche gibt's zusätzlich einmal im Monat ein offenes Internetcafé. „Dort können die Menschen unter Anleitung im Internet surfen", erklärt Pfarrer Christian Kawerau. Die Hardware-Beratung bietet Hilfestellung bei der Anschaffung eines geeigneten Computers, eines Druckers oder bei Problemen mit den Geräten. „Bei vielen älteren Menschen ist der Laptop mittlerweile das Standardgerät", sagt Kawerau. Auch die Versöhnungskirche bietet inzwischen Aufbaukurse vor allem im Umgang mit dem Internet an. Es gehe insbesondere darum, Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit den neuen Medien abzubauen. Beim Einkaufen oder dem Erledigen der Bankgeschäfte via Internet sieht Pfarrer Röder ein großes Potential, um den Alltag älterer Menschen zu erleichtern und die Selbständigkeit auch bei abnehmender Mobilität zu erhalten. Gleiches gilt für die Kommunikation per E-Mail. Pfarrer Kawerau beschreibt in diesem Zusammenhang ein Schlüsselerlebnis: „Als ich sah, wie ein sehr krankes Gemeindemitglied per E-Mail den Kontakt zu seiner Tochter in Südafrika aufrechterhalten hat, war ich höchst beeindruckt." In der Erhaltung der Lebendigkeit der Menschen sowie in der Stärkung ihres Selbstbewusstseins sieht Pfarrer Röder einen wesentlichen Auftrag der Kirche. Dazu tragen seiner Meinung nach diese Kurse bei: „Die Akzente der kirchlichen Aktivitäten haben sich verschoben, weg vom Konsumgedanken und hin zu Angeboten, bei denen Menschen eine aktive Rolle übernehmen." Mirko Konrad