Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Wohnen im Alter

Viele Menschen denken beim Wohnen im Alter sofort an ein Pflegeheim. Aber das Wohnen im Alter hat mittlerweile viele Gesichter. Das Spektrum reicht von Wahlfamilien über Mehrgenerationenhäuser bis hin zum Altersruhesitz im Ausland. Im Folgenden beschreiben Menschen ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Modellen.

Zu wenige Wohnungen

Zu wenige Wohnungen für Senioren geeignet

Kassel. Senioren könnten es bald schwer haben, im Raum Kassel eine altersgerechte Wohnung zu finden oder weiterhin in ihren gewohnten vier Wänden zu bleiben. Das geht aus einer aktuellen Studie des Pestel-Instituts hervor, das der Bauwirtschaft nahesteht.

Demnach fehlen im Stadtgebiet schon in den nächsten Jahren rund 6850 altersgerechte Wohnungen. Im Landkreis fehlten knapp 9000 solcher Wohnungen. Hintergrund der Entwicklung: Im Schnitt wird die Bevölkerung immer älter, damit nimmt auch die Zahl der Pflegebedürftigen zu.

Bis zum Jahr 2035 werde die Altersgruppe der über 65-Jährigen im Raum Kassel um 36 Prozent wachsen, prognostizieren die Forscher. Auch bei der Kasseler Gemeinschaft der Haus- und Grundeigentümer sieht man deshalb einen steigenden Bedarf an altersgerecht gebauten oder umgebauten Wohnungen. Verstärkte Anstrengungen zur Deckung dieses Bedarfs würden allerdings auch ein steigendes Mietpreisniveau nach sich ziehen, sagt Wolfram Kieselbach, Vorsitzender des Vereins Haus & Grund.

„Altengerechte Wohnungen kosten in der Regel mehr Miete als andere“, sagt er. Um Konflikten mit den jetzigen Mietern aus dem Weg zu gehen, würden viele Vermieter darauf verzichten, ihren Wohnungsbestand frühzeitig auf die Bedürfnisse älterer Menschen umzubauen. Was ein Eigentümer dafür investieren muss, hängt vom Einzelfall ab. Laut der Pestel-Studie kostet ein altersgerechter Wohnungsumbau im Durchschnitt 15 600 Euro.

Wer durch den Umbau weiterhin zu Hause wohnen bleiben könne und nicht in ein Heim müsse, hat nach Angaben der Forscher diese Kosten in zwei Jahren wieder heraus. Um den Bedarf nach altersgerechten Wohnungen zu decken, müssten im Stadtgebiet 107 Millionen und im Landkreis 140 Mio. Euro investiert werden, heißt es in der Studie.

Von Juri Auel und Axel Schwarz

 

Tipps gegen Barrieren

So sollten Wohnungen umgerüstet werden, rät die Expertin Claudia Ulrich

In Stadt und Landkreis Kassel ist „vielleicht eine von 30 Wohnungen halbwegs barrierefrei“. So lautet die persönliche Schätzung von Architektin Claudia Ulrich von der Hessischen Fachstelle für Wohnberatung in Kassel aus der Erfahrung vieler Beratungsgespräche zum Thema Wohnen im Alter. Das Bundesministerium für Familie und Senioren hat eine Liste mit Tipps herausgegeben, welche Anforderungen eine für Senioren geeignete Wohnung erfüllen sollte:

Zugang zur Wohnung

• Die Wohnung sollte ohne Stufen und Schwellen zu erreichen sein.

• Wenn Treppen überwunden werden müssen: Gibt es einen Aufzug oder Treppenlift? Sind im Treppenhaus auf beiden Seiten Handläufe angebracht?

Allgemeines

• Der Wohnungsflur braucht eine Breite von mindestens 1,20 Metern, damit man sich dort auch mit einem Gehwagen bequem bewegen kann.

• Türen müssen eine Mindestbreite von 80 Zentimetern (Haus- und Wohnungseingangstüren 90 Zentimetern) haben.

• Lichtschalter, Steckdosen und Ähnliches sollten idealerweise in einer Höhe von 85 Zentimetern angebracht sein. Auch die Fenster sollten sich bequem öffnen lassen.

• Ist die Klingel gut hörbar? Oder muss sie durch ein optisches Signal ergänzt werden?

• Teppiche müssen rutschfest verlegt werden, damit sich keine Kanten aufstellen können.

Badezimmer

• Die Badtür sollte nach außen aufschlagen und im Notfall auch von außen entriegelt werden können.

• Falls es keine bodengleiche, leicht begehbare Dusche gibt: Steht Platz zur Verfügung, damit eine solche nachgerüstet werden kann?

• Vor dem WC und dem Waschbecken wird eine Bewegungsfläche von 120 mal 120 Zentimeter benötigt. Auch im Sitzen vor dem Waschtisch sollte man sich im Spiegel sehen können.

• Haltegriffe im Bad sollten in Seniorenwohnungen Standard sein. Auf jeden Fall müssen die Wände stabil genug sein, damit im Bedarfsfall nachträglich Griffe montiert werden können.

Schlafzimmer

• Das Bett muss von drei Seiten zugänglich sein, damit im Pflegefall ungehindert Hilfe geleistet werden kann.

Küche

• In einer seniorengerechten Küche sollten die Arbeitsplatte und möglichst auch die Kochstelle unterfahrbar sein, falls die Bewohner einmal auf den Rollstuhl angewiesen sind. Auf jeden Fall sollte zum Arbeiten eine Sitzgelegenheit vorhanden sein.

• Sinnvoll ist eine Herdüberwachung mit Abschaltautomatik, die zum Beispiel den Strom für den Herd beim Abschließen der Haustür unterbricht.

• Bei der Anbringung von Küchenschränken und bei anderen Griffhöhen in der Küche sollten bestehende oder künftig mögliche Einschränkungen der Beweglichkeit beachtet werden.

 

Auswandern im Alter

Sommer, Sonne, Sonnenschein – Was Auswandern im Alter mit sich bringt

von Maria Kirscher 

Menschen die soeben den Eintritt ihrer wohlverdienten Rentenzeit erreicht haben, sollten vor allen Dingen ein Gefühl der großen Erleichterung und der Freiheit verspüren, oder? Schließlich haben sie in den meisten Fällen Jahrzehnte der harten Arbeit und Anstrengung hinter sich. Allerdings bringt diese sogenannte dritte Lebensphase auch viele Unsicherheiten mit sich. Fragen wie: ‚Was fange ich nun an mit meiner Zeit?‘ ‚Werde ich mit meiner Rente über die Runden kommen?‘ und ‚Was hält die Zukunft bereit für mich?‘ kommen auf und schüren die Angst vor der Ungewissheit. Vielen älteren Menschen graut es besonders vor dem Gedanken irgendwann mal ihre Eigenständigkeit aufgeben zu müssen, um beispielsweise in ein betreutes Altenheim umzusiedeln. Auch auf Grund dieser oft großen Unbehaglichkeit im Zusammenhang mit Deutschen Altenheimen entscheiden sich immer mehr ältere Menschen dazu, ihre Zelte in Deutschland dauerhaft abzubrechen, um sich ein Fleckchen in der Sonne zu suchen, an dem sie sich zur Ruhe setzten wollen. Doch worauf ist bei einer solchen Entscheidung dringend Acht zu geben? Und worauf sollten gerade ältere Menschen sich einstellen?

Das tückische beim Auswandern, gerade im Alter, ist das es sich oft viel einfacher und traumhafter anhört als es in der Realität wirklich ist. Ein Leben am Strand und unter Palmen, einen Alltag voller Sonne satt und dem tristen, grauen Alltag in Deutschland entfliehen. So malen sich viele ältere Menschen ihre Zukunft im Ausland aus und gehen somit relativ unbedarft an die Auswanderung heran.

Gerade diese Unbedarftheit ist allerdings fatal und kann sehr schnell zu bösen Überraschungen führen. Daher ist eine ausgiebige und langfristige Planung das A und O vor einer solchen Entscheidung.

Zunächst einmal sollten sich besonders Menschen höheren Alters rechtzeitig und von vornherein über das Gesundheitssystems des jeweiligen Landes informieren. Wie läuft es dort mit Krankenversicherungen und wird einem eine ausreichende medizinische Versorgung zur Verfügung gestellt, sobald man diese benötigt? Welche Kosten sind damit verbunden und wie zuverlässig ist das System? All diese Fragen sollten ausschlaggebend sein bei der Entscheidungsfindung welches zukünftige Land in der Sonne langfristig das richtige sein könnte.

Des Weiteren sollte jeder potentielle Auswanderer sich bewusst machen, dass ihn im neuen Land höchst wahrscheinlich zunächst die Rolle des Außenseiters erwarten wird. Ein neues Land im Warmen ist schließlich noch keine Garantie für Anschluss, dauernde Gesellschaft und ein breites soziales Umfeld. Auch hier gilt es sich einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis mühsam aufzubauen. Was hierfür dringend an erster Stelle stehen sollte, ist das Lernen der einheimischen Sprache. Selbst wenn das Land der Träume viel besiedelt von Deutschen Touristen und Auswanderern sein mag, so wie die kanarischen Inseln beispielsweise, sollte man dennoch unbedingt wenigstens Grundkenntnisse der nationalen Sprache erlangen. Die Sprache ist der Schlüssel zur einheimischen Kultur und den Menschen des Landes. Selbst wenn man sich auch ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse durchschlagen könnte, so bleibt man dennoch stets ein wenig außen vor und kann die Rolle des ewigen Touristen nur schwer ablegen, wenn einem entsprechende Kommunikationsmöglichkeiten verwehrt bleiben. Hier kann beispielsweise ein Sprachtraining im Vorfeld oder auch vor Ort Abhilfe schaffen.

Außerdem sollte das Traumland der Zukunft am besten schon etliche Male bereist worden sein bevor man einen permanenten Umzug dorthin wirklich in Betracht zieht. Hierfür sollte man ebenfalls eine ganze Weile im Winter beziehungsweise in der Nebensaison dort gelebt haben. Nur dann kann man sich wirklich ein Bild davon machen, wie der Alltag wirklich aussehen könnte.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass eine gute, intensive Planung und Vorbereitung ausschlaggebend sind für eine solch lebensverändernde Entscheidung. Es gilt aber auch an dieser Stelle zu einem solchen Schritt zu ermutigen. Sollte man das Auswandern in Betracht ziehen, so sollte das Alter keinesfalls ein Hindernis darstellen. Im Gegenteil! Wer nicht wagt der nicht gewinnt und wenn die aufgezählten Aspekte berücksichtigt werden und die Sache realistisch angegangen wird, so kann eine traumhafte Zukunft unter Palmen tatsächlich in unmittelbare Nähe rücken.

 

über mich:

Mein Name ist Maria Kirscher und ich arbeite seit geraumer Zeit für den Schweizer Sprachreiseveranstalter Oise. Da ich mich selbst als relativ erfahren in Sachen Auswandern bezeichnen würde, ich habe bereits in England, Holland und Südkorea gelebt, interessieren mich bezüglich dieses Themas stets neue Aspekte, Trends und Möglichkeiten aber eben auch die Schattenseiten des Auswanderns und worauf Acht zu geben ist, bevor man solch einen großen Schritt wagt. Für neue Aspekte, sowie Anregungen und eine offene Manöverkritik bin ich also gerne zu haben! Viel Spaß beim Lesen! 

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Wohin im Alter

Die vorherigen Beiträge haben sich mit eher ungewöhnlichen Wohnformen im Alter beschäftigt. Der folgende Beitrag hingegen, den ich mit freundlicher Genehmigung der Autorin übernehmen durfte, stellt Fragen nach Wohnungen für die vielen älter werdenden Menschen, die weder ins Ausland noch in eine Senioren-Wohngemeinschaft ziehen wollen.

HNA

Nachfrage nach kleinen barrierefreien Apartments ist groß

Zu wenig Wohnungen für ältere Menschen

06.04.2010

Wolfhagen. Die Bevölkerung schrumpft nicht nur, sondern wirdBea Ricken.JPG immer älter: Im Landkreis Kassel lag das Durchschnittsalter 2006 bei 43,9. Im Jahr 2025 wird es bereits bei 50,9 liegen.

Die Zahl der über 80-Jährigen soll im Jahr 2025 um 70 Prozent höher sein als im Jahr 2006, erklärt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises. Vor diesem Hintergrund ist die Zahl der barrierefreien Wohnungen im Altkreis viel zu gering. „Wohnungen für Senioren sind Mangelware“, sagt Frieder Harseim von der Weibu-Wohnbau in Wolfhagen. Grund sind die hohen Kosten, die der Ausbau oder Umbau einer behindertengerechten Wohnung kostet. Die Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen sei jedoch hoch. „Wir müssen da umdenken.“ Er werde in Zukunft vermehrt auf barrierefreien Wohnraum setzen.

 

Opa "im Paradies"

Am 25. Oktober 2009 gab es einen interessanten Beitrag des WDR im Weltspiegel der ARD.

Unter dem Titel "Thailand - Opa lebt im Paradies" wird über ein Pflegeheim der ganz besonderen Art berichtet. In der Nähe von Chiang Mai hat der Schweizer Martin Woodtli ein bemerkenswertes Alzheimer-Projekt gestartet. "Seine Mutter erkrankte selbst vor einigen Jahren , er holte sie zu sich. Inzwischen betreut Woodtli mit seinen 30 Pflegerinnen zehn Demenz-Kranke. Alle untergebracht in Privathäusern. Mitten im thailändischen Alltag."



 

Senioren-WG im Grünen

Wohngemeinschaft im Brückenhof

Müssen an Demenz erkrankte Menschen zwangsläufig ins Heim? Zunehmend werden für diese zahlenmäßig wachsende Gruppe neue Wohnformen erprobt. Zum Beispiel das gemeinsam gestaltete Leben in einer Wohngemeinschaft. Die Idee: Bis zu zehn Men­schen mit Demenz wohnen und leben in einer geräu­migen Wohnung, in ihren eigenen vier Wänden, mit großer Wohnküche, einem gemeinsamen Ess- und Wohnzimmerbereich. Eine dieser betreuten Wohn gemeinschaften gibt es seit gut einem Jahr in Kassel-Oberzwehren/Brückenhof. Weitere Alten-WGs sind in Planung: in Helleböhn, in Vellmar und in Baunatal.

 

Altersruhesitz im Ausland

Altersruhesitz im Ausland – Offenheit für andere Kulturen und Lebensweisen sowie genaue Planung ist sehr wichtig

Ein Beitrag von und ein Interview mit Joachim E.

Da meine Frau und ich seit etwa 1,5 Jahren im Ausland leben und uns zur Ruhe gesetzt haben, werden wir immer mal wieder gefragt, ob dies so einfach und ohne Probleme geht. Speziell in Zeiten, in denen das Leben in Deutschland immer teurer wird.

Wir selbst hatten das Ziel über lange Jahre verfolgt und können aus eigener Erfahrung sagen, dass man alles ganz genau planen und durchdenken sollte.

Das Leben in Westeuropa, zum Beispiel, ist überall genauso teuer und kommt als Alternative nur schwer in Frage. Also reisen viele Menschen nach Südamerika oder Asien aus. Der Lebensunterhalt ist in vielen dieser Länder deutlich billiger als in Deutschland.

Doch ist das Alles ?

 

Wahlfamilie

Lieber Mario,

in Bielefeld gibt es einige bundesweit ausgelobte Projekte, sicher kennst du das Bielefelder Modell. Aber all diese Häuser wurden von den großen hier ansässigen Wohnungsbauunternehmen erstellt, die sich auf die Zielgruppe der älter werdenden Bevölkerung eingeschossen haben. Dass geschah gleichzeitig, als sich die kleine private Gruppe "Wahlfamilie" zu einem Verein zusammenschloss und dachte, dass kriegen wir mal eben so hin, auch ohne die. Derweil ja so wunderschöne Vorstellungen da waren, von einem schönen Haus, schön gelegen, schön gebaut, wahrscheinlich dachten wir auch, üppiges Grün würde von allein nur so sprießen und alle hätten sich lieb.
In den langen Jahren der Vorbereitung, der Suche und Zerschlagung einiger Bauvorhaben, dem steten Wechsel innerhalb des Vereins, der wachsenden Ungeduld fanden wir eine  Baugesellschaft, die sich auf die Idee einließ, uns Mitspracherecht beim Bau einräumte, das während der Bauphase ein wenig zurückgeschraubt wurde, aber immerhin. Die Lage ist gut,  sehr im Grünen, mit Auenpark und Biotopen, von der Uni 500 m entfernt, Stadtbahnanbindung- ja, dass ist gut.