Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Start Wandel Bevölkerung in Nordhessen

„Ü 60" sind auf dem Vormarsch von Stefan Wewetzer VELLMAR, HNA 22.10.2011

Vellmar, 144 Plätze bietet das Seniorenpflegeheim Müh­lenhof in Vellmar auf dem Grundstück neben dem Hal­lenbad, wenn es am 29. Okto­ber eröffnet wird. Dass das Haus länger leer stehen könn­te, darüber muss sich die Casa-Reha-Gruppe als Betreiber kei­ne Sorgen machen. Denn der Mühlenhof steht für einen Trend, der sich in der Wohn­stadt Vellmar immer deutli­cher ausprägt: der rapide stei­gende Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung, der durch die Ausweisung neuer Wohngebiete für junge Fami­lien kaum gemildert wurde.

Tram für Senioren attraktiv

Und die neue Straßenbahn­verbindung nach Kassel, die die Kunden in 19 Minuten komfortabel in die City trans­portiert, dürfte Vellmar gera­de für ältere Menschen noch attraktiver machen. Diese Entwicklung wird be­sonders gut sichtbar, wenn man einen Blick auf die Grup­pe derjenigen Vellmarer wirft, die älter als 60 Jahre sind. Machte diese Gruppe 1993 (Stichtag ist jeweils der 30. Juni) nur 19,1 Prozent der Vellmarer Gesamtbevölke­rung aus, waren es 2000 schon 23 Prozent, kletterte die Zahl 2007 auf 27,4 Prozent und liegt im Jahr 2011 aktuell schon bei 31 Prozent, erläu­tert Wolfhard Eidenmüller von der Stadtverwaltung. Was auffällt: diese Gruppe der Senioren ist über alle vier Stadtteile ganz gleichmäßig verteilt. In Frommershausen und Vellmar-West liegt ihr An­teil bei jeweils 32 Prozent, in Niedervellmar bei 30,1 Pro­zent und in Obervellmar bei 30 Prozent. Dabei sind die tra­ditionell „älteren" Stadtteile durch Neubaugebiete etwas verjüngt worden. Obervellmar durch die Areale „Am Wäld­chen durch die Areale „Am Wäld­chen" und den „Osterberg", Frommershausen durch das Neubaugebiet „Hopfenberg". Ohne die Neubaugebiete, die gern von jungen Familien be­völkert werden, könnte der Anteil der Ü60-Generation nach Eidenmüllers Schätzung in Obervellmar zum Beispiel heute sogar schon bei knapp 40 Prozent liegen. Den Befund, dass Vellmar immer älter wird, untermau­ert auch ein Blick auf die übrigen Vellmarer Bevölkerungs­gruppen. Dabei ist die „junge Stadt mit Tradition", wie sie sich selbst gern nennt, auf nachrückende Generationen dringend angewiesen, um sich auch in weiterer Zukunft mit Leben zu erfüllen. Aber gerade diese Gruppen, im Alter zwi­schen 15 und 24, beziehungs­weise 25 und 39 Jahren, brö­ckeln. Erstere sank zwischen 2007 und 2011 von 2050 Perso­nen auf 1947, die zweite sogar von 3438 Menschen auf nur noch 3067.

Jüngere werden weniger

Aber gerade diese Genera­tionen sind es, die in diesem Alter Familien gründen und sesshaft werden. Warum diese Gruppe bröckelt, darauf weiß Wolfhard Eidenmüller eine Antwort: „Diese Altersgruppe geht, wenn sie zu Hause auszieht, nicht unbedingt gleich nach Vellmar." Das liege an der Wohnungsstruktur. Das Angebot an günstigen Woh­nungen sei zum Beispiel in Kassel größer als in Vellmar. Doch trotz dieser Entwick­lung ist in dem hier betrachte­ten Vierjahreszeitraum die Vellmarer Gesamtbevölke­rung nur um 184 Einwohner auf nunmehr 19 140 zurück­gegangen - eben, weil die Älte­ren länger leben, die Gruppe der Senioren immer größer wird und damit den Schwund bei den Jüngeren.