Mario Wiegel

...Älterwerden dürfen

 
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Gesellschaftliche Teilhabe

Gesellschaftliche Teilhabe vs. Exklusion

Unter Zugrundelegung gängiger Indikatoren von Randgruppen, gehört die Gruppe der Rentnerinnen und Rentner immer schon zu den Randgruppen unserer Gesellschaft. Sie stellte zahlenmäßig eine Minderheit dar, sie war/ist Empfänger von gesellschaftlichen Transferleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts.

Nun hat die Gruppe der Rentenempfänger zahlenmäßig mit 20,12 Millionen längst die Randlage der Gesellschaft verlassen und sich auf den Weg zur Mitte begeben.

Prof. Heinz Bude von der Universität Kassel spricht statt von Randgruppen lieber von sozialer Exklusion. „Der Bezugspunkt dieses Begriffs ist die Art und Weise der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, nicht der Grad der Benachteiligung nach Maßgabe allgemein geschätzter Güter wie Einkommen, Bildung und Prestige.“ Für Bude geht es nicht nur um evtl. gesellschaftliche Benachteiligung oder relative Armut. Die soziale Exklusion ...“betrifft vielmehr die Frage nach dem verweigerten oder zugestandenen Platz im Gesamtgefüge der Gesellschaft.“[1] Bude subsumiert unter sozialer Exklusion und den „Überflüssigen“ nicht nur die Alten, sondern auch „Aussteiger“, die „Abgeschobenen“, die „Modernisierungsverlierer“ und viele andere. Der Begriff der Überflüssigen ist eine Problematisierungkategorie, die über die gängigen Einteilungen hinausgeht.[2]

Dabei trifft für die Alten, wie für die anderen zu: „Was sie können, braucht keiner, was sie denken, schätzt keiner und was sie fühlen, kümmert keinen.“[3]

Wie vertragen sich diese Feststellungen mit der von der geforderten Teilhabe der älteren Menschen an der Gesellschaft? Wie kann Teilhabe überhaupt aussehen.

„Die Jungen holen sich ihr „Wissen“ aus dem Internet. Die höhere Weisheit und Wahrheit, die Homer den Alten zuschrieb (wir nennen es heute „Erfahrungswissen“, Anmerkung des Verf.) mag zwar vorliegen, gefragt ist sie im Grunde heute weitestgehend nicht. Man übergeht die komplexen Vorstellungen von „kultureller Korrektur“ der Altersfunktionen, von den Einwendungen und Ratschlägen, welche die Älteren und Alten geben können, - könnten."

Noch immer bilden Firmen, die den Verlust des Erfahrungswissens erkannt haben und bewusst wieder ältere Mitarbeiter einstellen, die Ausnahmen.




[1] Heinz Bude, Die Ausgeschlossenen – Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft, Hanser-Verlag, München 2008, S. 13 und 14

[2] H. Bude u. A. Willisch (Hrsg.), Exklusion – Die Debatte über die „Überflüssigen, Suhrkamp, Frankfurt/M., 2008

[3] Heinz Bude, Die Ausgeschlossenen, S. 15